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Presseberichte


Ein Spätsommer-Ritt im Steigerwald (von S. Dresch) - In: Légèreté. Pferde - Menschen - Leben, Ausgabe Winter 2007/2008, S. 16/17.

Sie können sich den Original-Artikel auch gerne hier als PDF-Datei (ca. 1,5 MB) herunterladen: Légèreté-Artikel

1. Tag: Nach einem gemütlichen Schlemmerfrühstück im romantischen Ambiente des Wiesentheider Schlossparks unter einer großen Eiche, die uns in der Spätsommersonne Schatten spendet, richten sich alle Augenpaare auf den fröhlichen Franzosen im leuchtend blauen Hemd, der gerade ankündigt, dass wir nun mit der Theorie beginnen. Erste Zweifel tauchen bei dem einen oder anderen auf - wir wollten doch einen Wanderritt durch das fränkische Weinland und den Steigerwald machen und jetzt sollen wir erstmal Theorie lernen? Aber Bruno Rouan, der französische Wanderritt-Führer und Ritter der Tafelrunde der Deutschen Wanderreiter-Akademie, hat ein interessantes Programm vorbereitet und legt auch gleich los. Er erzählt uns viel über den Ursprung des Reitens und Wanderreitens. Bis zu den Ritterorden des Mittelalters greift er zurück, um uns anhand eines Bildes zu erklären, wie eine harmonische Beziehung zwischen Mensch und Pferd aussehen kann. Bei den Ritterorden gab es eine symbolische Vorstellung von dieser Beziehung: man setzte Reiter und Pferd mit Seele und Körper des Menschen gleich.

Ausgehend von diesem Bild möchte Bruno uns die Beziehung zwischen Mensch und Pferd entdecken lassen und natürlich auch die Mittel, die wir haben, um in den verschiedensten Situationen mit unserem Pferd harmonisch zu kommunizieren. Das Ziel des Wanderreit-Kurses ist es also, einen neuen Blick auf unsere Pferde zu gewinnen und gleichzeitig auch sich selbst ein bisschen besser kennen zu lernen, um sich korrekt und sicher gemeinsam mit dem Pferd in der Natur bewegen zu können.

Daher beschäftigen wir uns in kleinen Theorie-Einheiten zuerst mit dem Pferd (Wie ist sein Körperbau? Wie lebt es in freier Wildbahn? Wie funktioniert eine Pferdeherde? Wie können wir dieses Wissen für unser Reiten nutzen?), dann mit dem Einfluss, den wir als Reiter über unseren Körper und unsere Psyche auf das Pferd ausüben und wir versuchen, im Einklang mit unserem Pferd dessen Rhythmus zu spüren und zu verinnerlichen.

Allzu lange hält es uns nicht unter der Eiche. Wir holen unsere Pferde und beginnen mit dem Putzen und Satteln. Die Aufregung, was uns auf dem Ritt noch alles erwartet, liegt förmlich in der Luft. Gemeinsam mit Bruno machen wir eine erste Übung. Wir konzentrieren uns darauf, bewusst Kontakt zu unserem Pferd aufzunehmen und uns auf unsere Emotionen zu konzentrieren. Allein die Tatsache, dass wir uns darauf konzentrieren, verändert unsere Wahrnehmung der Situation schon enorm. Für das Pferd geht es nicht nur mechanisch um das Hufe geben zum Auskratzen. Für das Pferd ist das ein Zugeständnis an mich als Zweibeiner. Es vertraut mir und beschnuppert mich, um herauszufinden, wie es mir geht und was ich vorhabe. Pferde reagieren sehr fein auf unserer Körpersprache und so manchem wird das nach Brunos kleinem Vortrag nun zum ersten Mal wirklich bewusst.

Wir steigen auch nicht gleich auf - wieder so eine Überraschung. Zu Fuß setzt sich unsere kleine Gruppe in Bewegung. So werden Mensch und Tier wach und die Muskeln werden auf den Ritt vorbereitet. Zudem ist für die Anfänger erst einmal die Aufregung genommen. Sie haben Zeit, ruhig zu werden und zu entspannen. Neben einem Sonnenblumenfeld steigen wir schließlich auf und starten in den ersten Ritt. Es geht durch die Felder im Schritt in den Wald. Auf den schönen Waldwegen fühlt man sich zu Pferd wunderbar. Fast zu schnell sind wir zur Mittagsrast zurück. Auch das Mittagessen rundet Bruno mit Geschichten aus seinem Reiterleben ab. Er erzählt so lebhaft, dass wir nun von einem Ritt durch die Wüste träumen und von indischen Prinzen, die mit ihrem ganzen Hofstaat zu Pferd durchs Land ziehen. Die Geschichten sollen uns zeigen, dass es nicht wirklich darauf ankommt, ob man nun "englisch" oder "Western" reitet, eine Hackamore, ein arabisches Schnurhalfter oder eine Wassertrense benutzt. Die verschiedensten Methoden beruhen letztendlich doch auf ähnlichen Prinzipien, die alle das Ziel haben, dass Mensch und Pferd harmonisch miteinander arbeiten können.

Am Nachmittag starten wir wieder in einen Ritt. Diesmal führt uns Matthias Dürr, Geländerittführer DWA, nach Prichsenstadt, ein fränkisches Städtchen, dessen malerische Stadtmauern eine tolle Kulisse für unsere kleine Gruppe darstellt. Bei einem Eis für die Zweibeiner und einer saftigen Wiese für unsere Pferde, legen wir eine kleine Pause ein, bevor wir das Städtchen durch das Stadttor verlassen. Abends erwartet uns schon der Duft von gegrilltem Fleisch und Gemüse.


2. Tag: Auch heute frühstücken wir wieder im Schlosspark. Die Pferde begutachten skeptisch unsere Teller und entscheiden sich dann recht schnell für eine leckere Portion Heu. Unsere Siebensachen haben wir gepackt und im Trosswagen verstaut, denn heute soll es in den Steigerwald gehen, wo wir in einem Blockhaus im Wald übernachten werden. Wir sind gespannt, denn wir haben gerade über die physischen Möglichkeiten eines Pferdes gesprochen und Bruno und Matthias haben uns versichert, dass wir diese später auch in der Praxis testen werden. Was sie damit meinen, sehen wir, als wir mitten im Steigerwald uralte Hohlwege zu Pferd entdecken. Wir lassen unseren Pferden die Zügel lang und überlassen es ihnen, die Hufe an die richtige Stelle zu setzen. Wir geben lediglich die Richtung und das Tempo an, den Rest übernehmen unsere Tiere für uns.

Die Mittagsrast erwartet uns an einer Quelle mitten im Wald, die wir auch gleich für verschiedene Übungen nutzen. Das kleine Bächlein ist geradezu ideal, um unseren Pferden zu zeigen, dass man vor fließendem Wasser keine Angst haben muss. Bruno führt Jakob, den ängstlichen kleinen Welsh-Cob-Wallach vorsichtig ans Wasser und lässt ihm Zeit, sich an die Situation zu gewöhnen. In seiner unvergleichlichen Art scheint er das Tier zu überreden, ihm über das Bächlein zu folgen, ohne ihm Druck zu machen. Auch diese Szene nutzt Bruno, um uns die Psychologie der Pferde etwas näher zu bringen. Ein Pferd ist ein Fluchttier. Normalerweise würde es vor einer Situation, die es nicht kennt zunächst logischerweise zurückweichen. Wer einmal Pferde in der Natur beobachtet hat, dem ist sicher aufgefallen, dass sie sich unbekannten Gegenständen langsam nähern. Sie grasen dabei und bewegen sich Stück für Stück auf den Gegenstand zu, bis sie gelernt haben, dass sich dahinter kein Feind verbirgt. Hat man dies als Reiter verinnerlicht, so geht man nicht mehr mit dem Gedanken "Hoffentlich scheut mein Tier vor diesem Traktor nicht" auf ein solches Gefährt zu. Man wird dem Tier vielmehr etwas Zeit geben, sich die "Gefahr" aus der Ferne zu betrachten und dann Schritt für Schritt darauf zugehen, bis es gelernt hat, dass ein Traktor keine Gefahr darstellt. Will man ähnliche Situationen - das plötzlich aufgetauchte Hindernis im Weg, das knallrote Motorrad am Straßenrand, den Regenschirm etc. - ganz entspannt angehen, so steigt man am besten ab und führt sein Pferd auf dieses Objekt zu. So übernimmt man Bruno zu Folge in der Pferdepsychologie die Rolle des erfahrenen Leittiers. In einer Herde geht immer die erfahrenste Stute voran. Die anderen Tiere vertrauen der Leitstute und folgen meist genau ihrem Tritt.

Am Abend beziehen wir unser neues Quartier, ein hübsches Blockhaus im Steigerwald, wo uns auch schon das Abendessen mit einem verlockenden Duft erwartet. Obwohl wir uns sicher waren, dass wir eigentlich nichts mehr brauchen würden, hat uns die viele frische Luft hungrig gemacht und wir freuen uns, an einen der letzten warmen Sommerabende mit Blick auf unsere Pferde im Freien essen zu können.


3. Tag: Nach dem Frühstück hören wir von Bruno, wie sensibel unsere Tiere unsere Emotionen wahrnehmen. Eine aufmerksame Beobachtung unserer eigenen Gefühle, sowie Respekt und Freundschaft dem Pferd gegenüber können helfen, einen Großteil der Probleme, die oft zwischen Reiter und Pferd auftreten, zu lösen. Bruno spricht von einem "energetischen Gleichgewicht". Seiner Meinung nach beruhen alle Beziehungen auf einem Geben und Nehmen von Energie. Das kann natürlich sehr positiv für beide Seiten sein. Bin ich glücklich, strahle ich das auch anderen gegenüber aus. Aber genauso können wir auch durch unsere eigene Unsicherheit unser Pferd unsicher machen. Ein weiteres Beispiel: Die Aggression gegenüber unserem Chef, die wir in der Reitstunde immer noch in uns tragen, wirkt sich auch auf unser Tier aus. Ein interessanter Denkanstoß.

Uns erwarten auch heute, an unserem Abschlusstag wieder verschiedene Übungen, die uns helfen sollen, uns dieser Tatsache bewusster zu werden. Die Ruhe, mit der Bruno alles angeht, ist förmlich ansteckend. - Ein Beweis für seine Theorie vom energetischen Gleichgewicht. Wir starten gelassen und fast ein bisschen wehmütig in unseren letzten Reittag. Wir kommen nach einer Vormittagsrunde durch die Anhöhen des Steigerwaldes zur Mittagsrast noch einmal zurück zu unserem schnuckeligen Blockhaus.

Auf dem Heimweg durch den Wald kann man die Seele baumeln lassen und seinen Gedanken und Träumereien nachhängen. Fast zu schnell sehen wir von den Weinbergen aus unser Ziel, Wiesentheid. Im Schlosspark angekommen, gibt uns ein gemütliches Abendessen die Möglichkeit, das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen. Wir hoffen, dass uns der Alltag nicht zu schnell einholt und freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

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